Bodenindikatoren für Sicherheit und Orientierung

Im Boden verlegte Platten oder Fliesen mit taktil wahrnehmbaren Rippen und Noppen können von blinden und sehbehinderten Menschen mit dem Blindenlangstock und Füßen gut erkannt werden. Daher werden taktile Bodenindikatoren in zunehmendem Maß zielgerichtet eingesetzt.

Seit ca. 1990 spricht man bei den vornehmlich verwendeten Platten und Fliesen mit taktilen Rippen und Noppen im deutschsprachigen Raum von Bodenindikatoren.

Bild Bodenindikatoren: Auf einer Holzpalette liegen einige Bodenindikatoren – links: drei Bodenindikatoren mit Rippenprofil hintereinander - einem Leitstreifen andeutend; rechts: ein sogenanntes „Bahnsteigsystem Gera“, mit einer Tiefe von 60 cm die aufgeteilt ist in einen 30 cm breiten Anteil mit einer anthrazitfarbenen und fugenlosen Oberfläche und eine 30 cm breiten Bereich mit einer weißen Oberfläche die leicht genoppt ist.
Bodenindikatoren
© Mobilfuchs

Auf der Seite „Taktile Elemente eines bodengebundenen Blindenleitsystems“ erfahren Sie, wie die taktilen Bodenindikatoren in den bodengebundenen Blindenleitsystemen eingesetzt, zu Blindenleitsystemelementen zusammengefügt und verlegt werden.

Bodenindikatoren können in Innen- sowie Außenbereichen eingesetzt werden. Ihre Verwendung innerhalb von Gebäuden, wie beispielsweise in unübersichtlichen Messehallen, großen Bahnhofsgebäuden oder Flughafenterminals, sind für die Betroffenen sehr hilfreich. Gegenwärtig jedoch finden die Bodenindikatoren vornehmlich im öffentlichen Verkehrsraum Verwendung.

Beachten Sie bitte, dass alle hier aufgeführten Namen von Bodenindikator-Anbietern und benannten Produkten nur beispielhaft für viele andere stehen und keine Werbung sowie Produktbewertung darstellen.

Inhalt des Artikels

Was ist ein Bodenindikator?

Unter einem Bodenindikator versteht man ein bodengebundenes Element mit standardisierten Oberflächenstrukturen bestehend aus vornehmlich Noppen- oder Rippen (vgl. unten Bild: Bodenindikator mit Noppen- und Rippenprofil). Er verfügt zum unmittelbar angrenzenden Bodenbelag über einen visuellen, taktilen und ggf. akustischen Kontrast bzw. Informationsgehalt.

Bildbeschreibung: Das Bild zeigt zwei weiße Bodenindikatoren; links mit orthogonal angeordneten Noppenprofil, rechts mit Rippenprofil. Ende der Bildbeschreibung
Bodenindikator mit Noppen- und Rippenprofil
(C) Mobilfuchs

Bodenindikatoren können, beispielsweise als Betonplatten oder Keramik-Fliesen, fest in den Boden verlegt, auf den Boden verschraubt oder aufgeklebt werden.

💡 Bodenindikatoren sind die kleinsten Bestandteile von bodengebundenen Blindenleitsystemen und dienen somit blinden und sehbehinderten Menschen zur Orientierung, Information, Warnung und Leitung.

Seit wann gibt es Bodenindikatoren?

In Japan wurden taktile Bodenstrukturen 1967 erstmals entwickelt und gezielt zur Führung für blinde Menschen eingesetzt. Zwischenzeitlich hat sich annähernd weltweit die Nutzung taktiler Bodenstrukturen verbreitet.

Anfang der 1980 Jahre wurde in Deutschland begonnen, sich mit dieser positiven Erfolgsgeschichte der Gestaltung taktiler Bodenstrukturen zu befassen und Maßnahmen zu ergreifen.

Viele Städte und Gemeinden waren bemüht, die Funktion und die Profile der Bodenindikatoren zu optimieren. Im Ergebnis entstanden auf nationaler Ebene, hinsichtlich der Systeme und Strukturen, recht unterschiedliche Lösungen. Die Bestrebungen auf europäischer und internationaler Ebene Bodenindikatoren zu standardisieren, blieben bis heute aus Gründen der unterschiedlichsten nationalen Interessen ergebnislos.

Erstmals wurde Ende der 80-er Jahre am Deutschen Institut für
Normung (DIN) eine Arbeitsgruppe gebildet. Deren Auftrag bestand darin, eine Deutsche Industrienorm (DIN 32984) für Bodenindikatoren zu schaffen. Die zahlreichen Einsprüche führten dazu, dass eine Norm erst im Mai 2000 verabschiedet werden konnte. Im Mittelpunkt dieser Norm stand eine standardisierte Rillenplatte und deren Verlegemöglichkeiten.

Seit ca.1990 spricht man bei den vornehmlich verwendeten Platten und Fliesen mit taktilen Oberflächenstrukturen im deutschsprachigen Raum von Bodenindikatoren.

Gibt es für Bodenindikatoren Gestaltungsvorschriften?

Maßgeblich für die Gestaltung der Bodenindikatoren ist die DIN 32984 „Bodenindikatoren im öffentlichen Raum“. Diese Norm enthält Festlegungen zur Gestaltung von Bodenindikatoren und deren Funktionszuordnungen. Sie regelt die Verwendung von Bodenindikatoren für die jeweiligen Blindenleitsystemelemente und deren Verlegung im öffentlichen Raum. Sie verfolgt das Ziel, eine sichere Mobilität für sehbehinderte und blinde Menschen zu schaffen.

Die DIN 32984 steht bei ihrer Anwendung in enger Wechselbeziehung zur DIN 18040 „Barrierefreies Bauen – Planungsgrundlagen“ Teil 3 „Öffentlicher Verkehrs- und Freiraum“, da diese Norm die Voraussetzungen für die Barrierefreiheit von öffentlichen Verkehrsanlagen enthält.

Für die Anwendung der DIN 32984 sind u. a. weiterhin die Normen:

      1. DIN 18040 1:2010 10 „Barrierefreies Bauen — Planungsgrundlagen“ Teil 1: „Öffentlich zugängliche Gebäude“ und
      2. DIN 32975:2009 12 „Gestaltung visueller Informationen im öffentlichen Raum zur barrierefreien Nutzung“
        zu berücksichtigen.

Im Zuständigkeitsbereich der Deutschen Bahn AG gilt die DIN 32984 in Bezug auf die visuellen Kontrastmessungen nur bedingt. Im Geltungsbereich des europäischen konventionellen Eisenbahnsystems sowie des europäischen Hochgeschwindigkeitsbahnsystems ist entsprechend der europäischen Verordnung VO (EU) 1300/2014 (TSI PRM) die visuelle Kontrastmessung nach DIN EN 16584 „Bahnanwendungen – Gestaltung für die Nutzung durch PRM – Allgemeine Anforderungen“ Teil 1 „Kontrast“ vorzunehmen. Zudem enthält die Richtlinie Ril 813.0205 der Deutschen Bahn AG einzuhaltende Anforderungen aus internationalen und nationalen Vorschriften.

Oberflächenstrukturen der Bodenindikatoren

💡 Die Oberflächenstrukturen von Bodenindikatoren müssen dem Stand der aktuellen DIN 32984 entsprechen.

Zu den bekanntesten Oberflächenstrukturen der Bodenindikatoren zählen die Rippen und Noppenprofile. Diese müssen sich deutlich vom unmittelbar angrenzenden Bodenbelag mit den Füßen und dem Blindenlangstock (vgl. Bild unten: Seitenansicht – Gut wahrnehmbar gestaltete Bodenindikatoren) deutlich wahrnehmen und unterscheiden lassen. Zur Erfüllung dieser Forderung, kann beispielsweise ein unmissverständlicher Materialwechsel der Bodenbeläge oder eine spürbare Oberflächenstrukturänderung beitragen.

Bildbeschreibung: Das Bild zeigt Bodenindikatoren in Seitenansicht (Querschnitt), die gut mit dem Blindenlangstock und den Füßen gut wahrnehmbar sind. Ende der Bildbeschreibung.
Seitenansicht – Gut wahrnehmbar gestaltete Bodenindikatoren
© Mobilfuchs

In wenigen Ausnahmen können einerseits zwischen einer sicheren Berollbar- und Begehbarkeit und andererseits der eindeutigen taktilen Wahrnehmung von Bodenindikatoren Widersprüche entstehen. In diesen Fällen muss die Verlegung von Bodenindikatoren so erfolgen, dass die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer gewährleistet ist.

💡 Personen, die mit einem Blindenführhund unterwegs sind, benutzen in der Regel keinen Blindenlangstock. Daher sind sie insbesondere auf taktile Bodeninformationen angewiesen. Für sie eignen sich, wie nationale und internationale Tests zeigten, Rippen- und Noppenabstände von 5 cm bis 6 cm.

Bodenindikatoren sollen mit allen Stockspitzen eindeutig erkennbar sein, was durch Vergleichtests belegt werden sollte. Der globale Handel mit Blindenlangstöcken dürfte diesen Wunsch allerdings sehr erschweren.

Wie ist die Rippenstruktur zu gestalten?

Die Rippen haben ein trapezförmiges Profil und sollten leicht abgerundet sein.

Um bei Abmessungen durch Abrundungen Messfehler zu vermeiden, wurde eine Messebene, in Höhe von 1 mm unterhalb der Rippenoberfläche, festgelegt (vgl. unten Bild: Wichtige Bezugspunkte an Bodenindikatoren).

Bildbeschreibung: Das Bild zeigt am Querschnitt der Bodenindikatoren die Messebene, die Oberfläche und Basis der Bodenindikatoren. Ende der Bildbeschreibung.
Wichtige Bezugspunkte an Bodenindikatoren
     © Mobilfuchs

Für die Maße der Rippen gelten, sowohl im Außen-, wie auch im Innenbereich, eine Toleranz von ± 0,5 mm.

Bildbeschreibung: Das Bild zeigt am Querschnitt der Rippenprofile die wichtigsten einzuhaltenden Abstände (ohne Maßangaben). Ende der Bildbeschreibung.
Abstände der Rippenprofile
     © Mobilfuchs

Erläuterungen zum obigen Bild mit Maßangaben:

Rippenmaße im Außenbereich

      1. Abstand zwei benachbarter Rippen am Scheitelpunkt: 30 mm bis 50 mm
      2. Abstand zwei benachbarter Rippen in Messebene: 25 mm bis 35 mm
      3. Breite der Rippen an der Messebene: 5 mm bis 15 mm
      4. Höhe der Rippen (von Oberkante bis Rippenbasis): 4 mm bis 5 mm

Rippenmaße im Innenbereich

      1. Abstand zwei benachbarter Rippen am Scheitelpunkt: 25 mm bis 60 mm
      2. Abstand zwei benachbarter Rippen in Messebene: 20 mm bis 50 mm
      3. Breite der Rippen an der Messebene: 5 mm bis 10 mm
      4. Höhe der Rippen (von Oberkante bis Rippenbasis): 3 mm bis 4 mm

Die ehemals verwendeten sinusförmigen Rillenstrukturen mit Rillenabständen von ca. 1 cm, welche heute noch an vielen Orten im öffentlichen Verkehrsraum liegen, lassen sich mit den heutzutage häufig verwendeten Rollspitzen kaum wahrnehmen.  Die Rollspitze des Blindenlangstockes überrollt die Rippenstruktur ohne deutliche taktile Information zu vermitteln. Hinzu kommt, dass diese seiner Zeit nur bergbündig verlegt wurden, was ihre Erkennbarkeit mit den Füßen zusätzlich erschwert (vgl. unten Bild: Sinusförmige Rillenstruktur).

Bildbeschreibung: Das Bild verdeutlicht am Querschnitt der Rippenprofile die eingeschränkte taktile Wahrnehmbarkeit von Blindenlangstock (links) und den Füßen (rechts). Ende der Bildbeschreibung.
Sinusförmige Rillenstruktur
    (C) Mobilfuchs

Je schmaler eine Rippe ist und, umso größer der Abstand zwischen zwei benachbarten Rippen (bis max. 50 mm) ausfällt, umso leichter lässt sich die Rippenstruktur wahrnehmen.

Rippenstrukturen sind nicht unbedingt in jeder Verlaufsrichtung gut erkennbar. Sie sind am besten taktil wahrzunehmen, wenn der Blindenlangstock quer über die Verlaufsrichtung der Rippen streicht. Streicht dagegen der Langstock parallel zum Rippenverlauf, lässt diese sich schwerer erkennen.

Es haben sich für die Ausbildung der Rippen- sowie Noppenstrukturen trapezförmige Querschnitte bewährt, da diese sich leichter als sinusförmige Querschnitte ertasten lassen.

Von Rollstuhl- und Rollatornutzern (mit großen Raddurchmessern von 20 cm) werden Rippenstrukturen kaum wahrgenommen.

Welche Funktion hat die Rippenstruktur?

In Gehrichtung verlaufende Bodenindikatoren mit Rippenstrukturen werden für Blindenleitsystemelemente verwendet:

      1. die eine sichere Führung von einem zum anderen Ort ermöglichen (Leitfunktion),
      2. auf seitlich gelegene Ziele hinweisen oder
      3. die Gehrichtung anzeigen sollen.
Quer zur Gehrichtung verlaufende Rippenprofile zeigen je nach Verlegeort und je nach Verkehrssituation

      1. eine Einstiegsposition in Fahrzeuge des ÖPV oder
      2. eine „Nullabsenkung“ an Fahrbahnquerungsstellen an.

Wie müssen Noppenstrukturen gestaltet sein?

Als Noppenprofile kommen in der Regel

      1. Kugelkalotten,
      2. Kegelstümpfe oder
      3. Pyramidenstümpfe (z. B. bei Naturstein)
        zum Einsatz  (vgl. unten Bild: Gebräuchlich Noppenprofile).
Bildbeschreibung: Das Bild zeigt die Seitenansicht und Draufsicht auf die Noppenprofile (von links nach rechts) Pyramidenstumpf, Kegelstumpf, Kugelkalotte. Ende der Bildbeschreibung.
Gebräuchlich Noppenprofile
     © Mobilfuchs

Noppenstrukturen in paralleler Anordnung (orthogonal) lassen sich nur schwer mit den Füßen von Rippenstrukturen unterscheiden. Auch gleitet der Blindenlangstock zwischen den einzelnen orthogonal angeordneten Noppenreihen hindurch (vgl. unten Bild: Diagonale und orthogonale Anordnung von Noppenstrukturen). Es besteht eine relativ große Verwechslungsgefahr mit Rippenstrukturen. Daher sind künftig Bodenindikatoren mit diagonal (in 45° zur Außenkante des Bodenindikators) angeordneten Noppenstrukturen zu verlegen. Auch diagonal angeordnete Noppenstrukturen lassen sich auch leichter mit einem Rollstuhl und Rollator befahren.

Bildbeschreibung: Das Bild zeigt links eine diagonal angeordnete Noppenstruktur und rechts eine orthogonal angeordnete Noppenstruktur. Ende der Bildbeschreibung.
Diagonale und orthogonale Anordnung von Noppenstrukturen
© Mobilfuchs

Maße für Noppenprofile

💡 Um bei Abmessungen durch Abrundungen Messfehler zu vermeiden, wurde eine Messebene, in Höhe von 1 mm unterhalb des Noppenmittelpunktes bzw. der Noppenoberkante, festgelegt.

Für die Maße gilt, sowohl im Außen- wie auch im Innenbereich, eine Toleranz von ± 0,5 mm.

Bildbeschreibung: Das Bild zeigt am Querschnitt der Noppenprofile die wichtigsten einzuhaltenden Abstände (ohne Maßangaben). Ende der Bildbeschreibung.
Abstände der Noppenprofile
    © Mobilfuchs

Erläuterungen zum Bild mit Maßangaben: 

Noppenmaße im Außenbereich

      1. diagonaler Abstand zwei benachbarter Noppenmittelpunkte: 40 mm bis 60 mm
      2. diagonaler Abstand zwei benachbarter Noppen in Messebene: 20 mm bis 36 mm
      3. Durchmesser bzw. Breite der Noppen in Messebene: 20 mm bis 30 mm
      4. Höhe der Noppen (von Oberkante bis Basis): 4 mm bis 5 mm
Noppenmaße im Innenbereich

    1. diagonaler Abstand zwei benachbarter Noppenmittelpunkte: 32 mm bis 60 mm
    2. diagonaler Abstand zwei benachbarter Noppen in Messebene: 17 mm bis 36 mm
    3. Durchmesser bzw. Breite der Noppen in Messebene: 15 mm bis 30 mm
    4. Höhe der Noppen (von Oberkante bis Basis): 3 mm bis 4 mm

Bei dem Einsatz von Noppen in Form von Kugelkalotten im Außenbereich muss beachtet werden, dass sie mindestens über eine Höhe von 4,5 mm verfügen.

Im Innen- und Außenbereich ist beim Einsatz von Kugelkalotten zu beachten, dass der Abstand an der Basis zwischen zwei benachbarten Kugelkalotten mindestens 12 mm beträgt.

In Ausnahmefällen können Pyramidenstümpfe orthogonal, insbesondere bei Einfräsungen in Naturstein, angeordnet werden.

Bei orthogonal angeordneten Noppen, muss deren Abstand mindestens 22 mm zählen. Der Abstand kann jedoch zwischen den Noppenmittelpunkten 100 mm betragen.

Von Rollstuhl- und Rollatornutzern (mit großen Raddurchmessern von 20 cm) werden Noppenstrukturen zwar wahrgenommen, lassen sich jedoch häufig besser befahren, als aus ästhetischen Gründen verlegte Bodenbeläge im Außenbereich. Darüber hinaus bieten die räumlichen Verhältnisse, insbesondere in Außenbereichen, die Möglichkeit für Rollstuhl- und Rollatornutzer, neben den Bodenindikatoren zu fahren.

Welche Funktionen haben Noppenstrukturen?

Bodenindikatoren mit Noppenstrukturen kommen für Blindenleitsystemelemente

      1. die vor Gefahren und Hindernissen warnen oder
      2. die Abzweigungen und Richtungsänderungen anzeigen,
        zum Einsatz.

Besteht die Gefahr einer Noppenabnutzung?

Bei starkem Fußgängeraufkommen im öffentlichen Raum ist zu beobachten, dass Noppenprofile aus Beton sich innerhalb von sieben Jahren stark abnutzen können. Dies gilt insbesondere für halbkugelförmige Noppenprofile. Dagegen weisen trapezförmige Noppenprofile im gleichen Zeitraum deutlich geringere Abnutzungserscheinungen auf.

Gibt es weitere Oberflächenprofile für Bodenindikatoren?

In den 1980er Jahren wurde die sogenannte „Orientierungsplatte“ aus Münster/Westfalen entwickelt. Die Oberfläche der Basaltsplittplatte verfügte über eine taktile Rautenstruktur. Dabei handelt es sich bei der verwendeten Raute um ein auf der Spitze stehendes Quadrat, die durch Einkerbungen von 0,2 cm Tiefe und 0,7 cm Breite getrennt sind.

In einem, vom Bundesverkehrsministerium im Jahr 2000 herausgegebenen, Handbuch („direkt 54“, S. 61) wurde die „Orientierungsplatte“ mit der Rautenstruktur als taktile Hilfe empfohlen.

Im durchgeführten Workshop „Anforderungen an die Profile und den Einsatz von Bodenindikatoren im öffentlichen Raum“ des Gemeinsamen Fachausschuss für Umwelt und Verkehr (GFUV) des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband e. V. (DBSV) 2008 wurde die Rautenstruktur noch als alternative Oberflächenstruktur zur Noppenstruktur für Abzweigefelder angesehen.

Dennoch ließ sich die Rautenstruktur nur schwer ertasten und konnte sich daher nicht als brauchbare Struktur für Bodenindikatoren durchsetzen. Sie wurde daher auch folgerichtig nicht in die DIN 32984:2011-10 „Bodenindikatoren im öffentlichen Raum“ aufgenommen.

Müssen Bodenindikatoren spezielle Anforderungen erfüllen?

Die Unterscheidbarkeit der zur Verfügung stehenden Bodenindikator-Profile, die mit dem Blindenlangstock sowie den Füßen eindeutig erkannt werden können, sind sehr begrenzt. Es gilt daher die Informationsmöglichkeiten auszuschöpfen, ohne dass durch Verwechslungen oder das nicht sichere Erkennen von Bodenstrukturen blinde und sehbehinderte Nutzer einer Gefahr ausgesetzt werden.
Daher ist ein ausgewählter Einsatz von Rippen- und Noppenstrukturen, unter Betrachtung sicherheitsrelevanter Aspekte, notwendig.

💡 Um die Interpretation von Bodenindikatoren zu erleichtern, ist ihnen stets die gleiche wiederkehrende Funktion zu zuordnen. Das setzt jedoch auch voraus, dass der Übergang von der Noppen- zur Rippenstruktur (und umgekehrt) unmissverständlich unterschieden werden kann.

Rippenstrukturen sollen und Noppenstrukturen müssen mit den Füßen eindeutig wahrnehmbar sein.

Verwendete Bodenindikatoren sollten nachstehende Eigenschaften aufweisen:

        1. Bodenindikatoren müssen fest verlegt werden,
        2. über eine rutschfeste Materialoberfläche verfügen,
        3. keinen Abrieb aufweisen,
        4. Widerstandsfähigkeit gegen Helligkeits- und Farbveränderungen
        5. äquivalente Gebrauchseigenschaften entsprechend der sich anschließenden Beläge und
        6. eine leichte hygienische Reinigung ermöglichen bzw. selbstreinigend sein.
Zudem sollen Bodenindikatoren im Außenbereich über:

        1. eine extreme Belastbarkeit, z. B. durch das Überfahren von Fahrzeugen, verfügen,
        2.  frostbeständig,
        3. schneebeständig,
        4. salzbeständig und
        5. ölbeständig sein.

💡 Bodenindikatoren müssen fest verlegt werden und ganzjährig nutzbar sein. Daher sind sie entsprechend der Jahreszeit von Verschmutzungen, wie beispielsweise von Streusplitt oder Herbstlaub, frei zu halten. Reparaturen bzw. Wartungen sollen zeitnah und sachkundig ausgeführt werden. Auch ist für die Freihaltung der Bodenindikatoren von Fahrzeugen oder anderen Gegenständen zu sorgen.

Besteht durch Bodenindikatoren eine Stolpergefahr?

💡 Von Bodenindikatoren darf keine Stolpergefahr ausgehen.

Die Oberflächenstrukturen – Rippen und Noppen – von Bodenindikatoren stehen bei einer talbündigen Verlegung über die plane Oberfläche der Bodenbeläge hinaus. Entsprechend der DIN 32984 ist dies in Außenbereichen von 4 mm bis 5 mm und in Innenbereichen von 3 mm bis 4 mm zulässig.

Daher stellt sich hier die Frage, ob von Bodenindikatoren eine Stolpergefahr ausgehen kann.

In der Literatur lassen sich zur Beantwortung dieser Frage sehr unterschiedliche Angaben finden.

So wird beispielsweise im Rahmen des Arbeitsschutzes für Betonplatten schon eine Stolpergefahr bei einem Höhenunterschied ab 4 mm angenommen.

Dagegen besteht in Außenbereichen auf Gehwegen kein Verstoß gegen die Verkehrssicherungspflicht bei Unebenheiten bis zu 2 cm Höhe. In einem Streitfall kam das Landgericht Bonn zu diesem Ergebnis (Az. 1 O 297/03 Urteil vom 18.02.2004).

Im Allgemeinen wird innerhalb von Gebäuden eine Stolpergefahr bei einem Höhenunterschied von mehr als 4 mm im Fußbodenbelag gesehen.

💡 Diese Beispiele zeigen, dass, unter Beachtung normativer Vorgaben und einer sachkundigen Verlegung von Bodenindikatoren keine Stolpergefahr von ihnen ausgeht.

Es wird gelegentlich betont, dass insbesondere von Bodenindikatoren mit Noppen eine Stolpergefahr ausgeht. Dies scheint relativ unwahrscheinlich, da beim Aufstellen eines Fußes auf die Noppenplatte – in Folge das alle Noppen über die gleiche Höhe verfügen, eine Ebenheit besteht.

Der maximal zulässige Abstand, zwischen den diagonal angeordneten Noppenmittelpunkten, beträgt 60 mm. Dieser Abstand lässt die Vermutung zu, dass es nahezu unwahrscheinlich ist, beim Abrollen des Fußes an die Noppenbasis zu stoßen um zu stolpern.

Geht von Bodenindikatoren eine Rutschgefahr aus?

💡 Von Bodenindikatoren darf keine Rutschgefahr ausgehen.

Bodenbeläge im Außenbereich müssen für eine sichere Nutzung über einen Rutschhemmungs-Wert von mindestens R 11 bzw. von R 10/V4 verfügen. Als relevant kann auch ein SRT-Wert (SRT = Skid Resistance Test) von > 55 angesehen werden.
Da die Rutschhemmung von Bodenindikatoren nicht mit dem SRT-Messverfahren ermittelt werden kann, ist deren R-Wert entsprechend DIN 51130 nachzuweisen.

In öffentlichen Gebäuden gilt für Bodenindikatoren sinngemäß ebenfalls, wie für Bodenbeläge, eine Rutschhemmung von mindestens R 9 (nach BGR 181).

Werden Bodenindikatoren in Nassbereichen, wie z. B. Schwimmbädern, eingesetzt, sollte für sie sinngemäß mindestens die Bewertungsgruppe B nach GUV-I 8527 gelten.

Es ist zu empfehlen nachzufragen, ob der gewählte Anbieter von Bodenindikatoren für seine Produkte an Hand eines Produktzertifikats die erforderlichen Werte für die Rutschfestigkeit nachweisen kann.

Wie müssen Bodenindikatoren eingebaut werden?

Bodenindikatoren dürfen ausnahmslos nur in gefahrlosen Aufenthaltsbereichen eingesetzt werden (z. B. auf Gehwegen, 💡 nicht auf Fahrbahnen!).

Im Außenbereich sind talbündige Verlegungen von Bodenindikatoren vorzusehen. Diese dienen, neben einer guten taktilen Wahrnehmbarkeit, zusätzlich zur Entwässerung.

Profilunterbrechungen für die Entwässerung sollten, insbesondere von Rippenprofilen, möglichst schmal ausfallen und eine Breite von 3 cm nicht übersteigen. Diese Breite gilt einschließlich für eine ggf. erforderliche Verlegefuge.

Kabel- und Abwasserschächte sind bei Neuplanungen nicht unmittelbar im Bereich der zu verlegenden Bodenindikatoren anzuordnen. Kann aus örtlichen Gegebenheiten keine getrennte Führung von einerseits Bodenindikatoren und andererseits der Kabel- bzw. Abwasserschächte erfolgen, sind die Schächte mit Bodenindikatoren abzudecken. Dies kann beispielsweise mit Hilfe von verklebbaren Bodenindikatoren geschehen. Eine andere Lösung besteht im Einsatz von Entwässerungssystemen mit Rippen- und Noppenabdeckungen, die mit Wasserdurchlässen eine gezielte Entwässerung in durchgehende Abwasserrinnen ermöglichen.

Das Verlegen von Bodenindikatoren mit gleicher Oberflächenstruktur muss so erfolgen, dass sich ihr Profil von Bodenindikator zu Bodenindikator lückenlos fortsetzt.

In nahezu seltenen Ausnahmen können einerseits zwischen einer sicheren Berollbar- und Begehbarkeit und andererseits der eindeutigen taktilen Wahrnehmung von Bodenindikatoren Widersprüche entstehen. In diesen Fällen muss die Verlegung von Bodenindikatoren so erfolgen, dass die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer gewährleistet ist.

Sind Bodenindikatoren generell einzubauen?

In vielen Fällen besteht von Bauherren oder Pächtern im Außenbereich des öffentlichen Verkehrsraums sowie im Innenbereich öffentlich zugänglicher Gebäude der Wunsch zur Anordnung eines Blindenleitsystems. Jedoch gibt es zahlreiche Gründe, die gegen den Einbau von Bodenindikatoren sprechen. Diese beginnen bei zu kostenintensiven Einbaumaßnahmen für Bodenindikatoren bis hin zum Denkmalschutz, der bauliche Eingriffe nicht gestattet.

Hier ist die Nachrüstbarkeit von Bodenindikatoren, ohne direkten Eingriff in die Bausubstanz, gefragt.

Eine entwickelte und schon oftmals praktizierte Lösung ist das Verkleben von Bodenindikatoren in Außen- sowie Innenbereichen. Das Verfahren ist nicht nur kostengünstig, sondern ermöglicht eine einfache sowie schnelle Verlegung der Bodenindikatoren. Jedoch sollte es vorrangig für notwendige Nachrüstungszwecke vorbehalten bleiben.

Zum Verkleben kommen in der Regel Bodenindikatoren aus Kunststoff zum Einsatz. Zwischenzeitlich müssen die Kunststoff-Bodenindikatoren nicht mehr ausschließlich nur mit Spezialkleber, sondern können teilweise auch schon in Form von selbstklebenden Bodenindikatoren, verlegt werden.

Die verwendeten Kunststoff-Bodenindikatoren für die Nachrüstung werden als

      1. Platten mit einer Rippen- oder Noppenstruktur mit einer Kantenlänge von 30 cm x 30 cm oder
      2. aus einzelnen Rippen oder Noppen
        angeboten.
Für das Verkleben von Bodenindikatoren bedarf es glatter und fester Untergründe, wie beispielsweise

      1. im Außenbereich auf Beton, Pflaster oder Asphalt
      2. im Innenbereich auf Marmor oder Granit.

Was ist beim Verkleben von Bodenindikatoren zu beachten?

Vor der Verlegung der Bodenindikatoren sollte der Bodenbelag gründlich gereinigt und getrocknet werden.

Für eine sichere Haltbarkeit sollte, bei der Verlegung mit Spezialklebern, auf eine luftblasenfreie Verlegung geachtet werden. Daher empfiehlt es sich mit einer Andruckrolle zu arbeiten.

Nachdem die Schutzfolie von selbstklebenden Bodenindikatoren entfernt wurde, diese in die gewünschte Position legen und ganzflächig mit dem Eigengewicht fest andrücken.

Aus welchen Materialien können Bodenindikatoren bestehen?

Zu den derzeit gebräuchlichsten Materialien, die für Bodenindikatoren verwendet werden, zählen die nachstehenden Materialien.

Beton

Im Außenbereich stellt ein durchgefärbter Beton das zumeist verwendete Material für Bodenindikatoren dar. Durchfärbte Betonsteine verfügen über eine langjährige Beständigkeit des notwendigen Leuchtdichtenkontrastes.

Ein Nachteil des Betons besteht jedoch in der relativ schnellen Alterung des Materials. Dieser Umstand wirkt sich, in Folge von Verschmutzungen, negativ auf die Farbbeständigkeit des Bodenindikators aus Beton aus.

Zu bedenken ist ebenfalls, dass Betonsteine – in Abhängigkeit von Beschaffenheit und Anzahl der Kapillaren – viel Wasser aufnehmen können, was den Leuchtdichtenkontrast vom trockenen zum feuchten Zustand erheblich verändert. Zudem können durch die Wasseraufnahme verstärkt Schmutzpartikel eingespült werden, was zusätzlich die Farbkontrastbeständigkeit negativ beeinflusst.

In diesem Zusammenhang sollte für Bodenindikatoren ein grobkörniger Beton gewählt werden. Lösungen zur Verringerung der Wasseraufnahme z. B. durch die Erhöhung des Zementanteils oder des Einsatzes von Betondichtungsmitteln, sollten verstärkt Berücksichtigung finden.

Naturstein

In Natursteinplatten können Bodenindikatoren eingefräst werden. Einfräsungen kommen jedoch häufig erst im Rahmen von Nachrüstungsmaßnahmen in Betracht. Da sich mit diesem Verfahren kein visueller Kontrast herstellen lässt und es sehr kostenintensiv ist, wird es häufig nicht angewandt. Ein weiterer Grund besteht darin, dass sich Einfräsungen nicht immer für eine maschinelle Reinigung eignen und daher eine manuelle kostenintensive Reinigung notwendig werden kann.

Natursteinpflaster

Mit Hilfe des Natursteinpflasters lassen sich taktil wahrnehmbare Oberflächenstrukturen gestalten. Dies erfordert jedoch, dass der an das Natursteinpflaster angrenzende Belag plan und fugenarm sein muss. Daher bietet in städtebaulich sensiblen Bereichen das Natursteinpflaster, in begrenztem Umfang, eine Einsatzmöglichkeit.

Kunststoff

Bodenindikatoren aus abriebfesten und witterungsbeständigen Kunststoffplatten werden derzeit sowohl im Außen- wie in Innenbereichen eingesetzt. Sie werden verklebt und eignen sich für die Nachrüstung auf bestehenden Bodenbelägen.

Metall und Keramik

Es empfiehlt sich Bodenindikatoren aus Metall und Keramik vorzugsweise innerhalb von Bauwerken einzusetzen. Ihre Rutschfestigkeit und Griffigkeit kann im Außenbereich ggf. bei Eis, Schnee oder auch Regen nicht immer garantiert werden.

Kaltplastik

Zur Nachrüstung, ohne größere bauliche Maßnahmen, kann Kaltplastik vornehmlich in Außenbereichen zur Gestaltung taktiler Bodenstrukturen verwendet werden. Diese Gestaltungsmöglichkeit wird im Ausland häufig eingesetzt.

Gummi

Bodenindikatoren aus Gummi sind gut erkennbar. Ihr Einsatz im Außenbereich kann jedoch zu Schwierigkeiten bei ihrer Haltbarkeit führen. Auch hier ist ein Verlust ihrer charakteristischen Eigenschaften, insbesondere bei Frost, nicht auszuschließen.

Hohl- und Klangkörper

Die Bodenindikatoren aus Hohl- und Klangkörpern verfügen über einen hohlen Innenraum und bestehen lediglich aus Wänden, Boden und einer Abdeckung. Daraus ergibt sich beim Überstreichen mit dem Blindenlangstock eine sehr gute akustische Resonanz.

Müssen Bodenindikatoren in Gebäuden verlegt werden?

💡 Auch in öffentlich zugänglichen Gebäuden, insbesondere in Messehallen, großen unübersichtlichen Foyers oder Sporthallen müssen taktil und visuell unterscheidbare Bodenstrukturen zur Orientierung blinder und sehbehinderter Menschen vorhanden sein.

Da in der Regel in Gebäuden geringer strukturierte Beläge verwendet werden, können bereits hier schon Bodenindikatoren mit einer Höhe von 2 mm bis 3 mm ausreichend sein.

In Gebäuden können neben den klassischen Bodenindikatoren mit Noppen- und Rippenprofilen auch andere Materialien eingesetzt werden. Allerdings ist Voraussetzung, dass diese über analog gute visuelle und taktile Eigenschaften wie die klassischen Bodenindikatoren verfügen.

So ist beispielsweise die Verlegung von visuellen und taktil unterscheidbaren textilen Streifen oder Teppichläufern bzw. -böden auf Bodenfliesen oder Holzböden möglich.

Was sind von den Materialien der Bodenindikatoren für Anforderungen zu erfüllen?

Die Materialien für Bodenindikatoren sowie der gegebenenfalls zu verwendenden Begleitstreifen müssen für die jeweiligen Nutzungsanforderungen vor Ort geeignet sein. Die Dauerhaftigkeit der taktilen Oberflächengestaltung sowie des visuellen Mindestkontrastes von 0,4 ist zu gewährleisten.

Über welchen Informationsgehalt verfügen die Bodenindikatoren?

Blinde und sehbehinderte Menschen nutzen für ihre räumliche Orientierung taktile, akustische und, insofern ihr „Restsehvermögen“ es ihnen ermöglicht, visuelle Informationen aus der gebauten und natürlichen Umwelt. Oftmals fehlt es jedoch an derart ausreichend nutzbaren Informationen. Um diesen Defiziten zu begegnen, sollen die Bodenindikatoren über einen eindeutigen taktilen, visuellen und akustischen Informationsgehalt verfügen, der den Betroffenen  die Orientierung erleichtert.

Wie entsteht eine visuelle Information durch Bodenindikatoren?

Jede Oberfläche verfügt durch, eine von ihr ausgehenden Lichtreflexion, über eine Helligkeit. Der visuelle Kontrast entsteht durch die Wahrnehmung der unterschiedlichen Helligkeit von aneinandergrenzenden Flächen. Aus der Differenz zwischen den Hell-/Dunkelunterschieden lässt sich der visuelle Kontrast (Leuchtdichtekontrast) bestimmen und errechnen.

Der Kontrast zwischen den Bodenindikatoren und den angrenzenden Bodenbelägen ist ausreichend, wenn sein Wert (gemäß DIN 32984, gestützt auf DIN 32975:2009 12, Abs. 4.2.2) mindestens, jedoch möglichst größer als 0,4 ist. Dabei ist es wichtig, dass zwischen den dunkleren und helleren angrenzenden Materialoberflächen ein Reflexionsgrad von mindestens 0,5 besteht.

💡 HINWEIS:
Für den Kontrast gibt es keine Maßeinheit.  

Dieser Wert ist in der Praxis, insbesondere im öffentlichen Verkehrsraum, oftmals nur schwer erreichbar. Jedoch ist er, aufgrund der bei älteren und sehbehinderten Menschen bestehenden eingeschränkten visuellen Kontrastempfindlichkeit, zur Vermeidung von Gefahren unentbehrlich.

Die Messung des Kontrastes muss mindestens in zwei senkrecht zueinanderstehenden Ausrichtungen durchgeführt werden. Im Fall der Rippen muss die Messung in deren Verlauf sowie senkrecht zu ihnen erfolgen. Hierbei muss der widrigere Messwert mindestens 0,4 betragen.

Sowohl die Bodenindikatoren für Außen- und Innenbereiche müssen zur Herstellung von visuellen Kontrasten im Hell-/Dunkel-Kontrast zu angrenzenden Belägen stehen. Unterschiedliche Farbgebungen können die Kontrastbildung unterstützen. So sind vorzugsweise auf hellen (z. B. weiß / hellgrau) Bodenbelägen dunkle (z. B. schwarz / anthrazit) Bodenindikatoren und auf dunklen (z. B. schwarz / anthrazit) Bodenbelägen helle (weiße) Bodenindikatoren zu verlegen.

Es ist zu empfehlen nachzufragen, ob der gewählte Anbieter von Bodenindikatoren für seine Produkte an Hand eines Produktzertifikats die Voraussetzungen für die erforderlichen Kontrastwerte nachweisen kann. Allerdings ist hier darauf hinzuweisen, dass die Kontrastwerte nur unter Laborbedingen ermittelt werden.

Ist der visuelle Kontrast von 0,4 zwischen Bodenindikatoren und den angrenzenden Bodenbelägen nicht gegeben, müssen die Bodenindikatoren entsprechend mit hellen oder dunklen Belägen (Begleitstreifen- oder -flächen) vorzugsweise beidseitig eingefasst werden (vgl. unten Bild: Begleitstreifen zur Herstellung visueller Kontraste).

Bildbeschreibung: Das Bild zeigt vor einem hellen Hintergrund im linken Beispiel einen weißen Leitstreifen der nur mit einem (schwarzen) Begleitstreifen versehen ist. Im rechten Beispiel ist der weiße Leitstreifen beidseitig mit schwarzen Begleitstreifen eingefasst. Ende der Bildbeschreibung.
Begleitstreifen zur Herstellung visueller Kontraste
    © Mobilfuchs

Für die Nutzbarkeit durch sehbehinderte Menschen ist zudem eine ausreichende Beleuchtung zu berücksichtigen.

Es ist zu gewähren, dass von Bodenindikatoren auch bei erschwerten Beleuchtungsverhältnissen, keine Reflexionsblendung ausgeht.

Wie kann ein taktiler Rauhigkeitskontrast geschaffen werden?

Grundlage für den taktilen Informationsgehalt der Bodenindikatoren bildet die deutlich haptische Unterscheidbarkeit verschiedenster Bodenstrukturen sowie ein spürbarer Materialwechsel mit den Füßen und/oder dem Blindenlangstock.

Aus dem Bodenbelag herausstehende Noppen und Rippen (positive Strukturen), können spürbarer wahrgenommen werden, als Rippen und Noppen deren Oberfläche in Fußbodenhöhe angeordnet sind (negative Strukturen).

In Außenbereichen ist der taktile Informationsgehalt von Bodenindikatoren ausschließlich nur dann gegeben, wenn diese nicht unmittelbar von groben Bodenbelägen umgeben sind. Daher müssen Bodenindikatoren, die in Beläge mit unebenen und rauen Strukturen verlegt werden, unmittelbar von Belägen mit planen und fugenarmen Oberflächenstrukturen (Begleitstreifen oder -flächen) eingefasst werden (vgl. unten Bild : ). Daraus ergibt sich beim Betreten mit dem Fuß oder Überstreichen mit dem Blindenlangstock ein gut wahrnehmbarer Rauhigkeitskontrast. Die taktile Information lässt sich deutlich „ablesen“ und interpretieren.

Bildbeschreibung: Das Bild 10 zeigt die Anordnung eines weißen Leitstreifens auf einer Gehfläche mit groben Granitsteinen, der beidseitig mit schwarzen Begleitstreifen umgeben ist. Ende der Bildbeschreibung.
Begleitstreifen zur Herstellung visueller und taktiler Kontraste
    © Mobilfuchs

Unebene Strukturen im Außenbereich mit einer Höhe von 4 mm bis 5 mm und im Innenbereich mit einer Höhe von 3 mm bis 4 mm, wie von Rippen- und Noppenstrukturen, die im Abstand von 30 mm bis 50 mm angeordnet wurden, sind gut (bis befriedigend) wahrnehmbar.

In Außenbereichen sind die Bodenindikatoren mit ihrer Basis bündig zu den unmittelbar angrenzenden Bodenbelägen zu verlegen (talbündig), (vgl. unten Bild: Talbündige Verlegung von Bodenindikatoren), woraus eine optimale haptische Wahrnehmung für blinde und sehbehinderte Nutzer ermöglicht wird.

Bildbeschreibung: Das Bild zeigt im Querschnitt der Bodenindikatoren deren talbündige Verlegung. Ende der Bildbeschreibung.
Talbündige Verlegung von Bodenindikatoren
     © Mobilfuchs

In Innenbereichen von Bauwerken können Bodenindikatoren, neben einer talbündigen Verlegung, bei glatten Fußbodenbelägen auch bündig mit ihrer Basis zur angrenzenden Fußbodenhöhe (bergbündig) eingebaut werden (vgl. unten Bild:

Bildbeschreibung: Das Bild zeigt im Querschnitt der Bodenindikatoren deren bergbündige Verlegung in Innenbereichen. Ende der Bildbeschreibung.
Bergbündige Verlegung von Bodenindikatoren in Innenräumen
   © Mobilfuchs

Können taktile Bodenstrukturen akustische Informationen erzeugen?

Der akustische Kontrast, verwendet als akustische Information, entsteht beim Überstreichen mit dem Blindenlangstock von verschiedenen aneinandergrenzenden Bodenbelägen. Dabei können

      1. die einzelnen Oberflächenstrukturen, aber auch ein
      2. Materialwechsel

ein unterschiedliches, teilweise ein ganz typisches, Klangverhalten aufweisen. Bei der Entstehung des Klangbildes spielt natürlich auch das Material eine Rolle, aus welcher die Blindenlangstockspitze besteht, wie beispielsweise Keramik oder Kunststoff.

Für die Leit- und Warn- bzw. Aufmerksamkeitsfunktion hat sich der Einsatz von Bodenindikatoren mit einem zusätzlich hohen akustischen Informationsgehalt bewährt.

Als Beispiele können genannt werden:

      1. Hohlkörper-Bodenindikatoren („Hobis“)
      2. Hohl gelagertes Tränenblech,
      3. Holländische „Klangtegels“.

Noppenstrukturen aus Gummi verfügen zwar auch noch über einen guten akustischen Informationsgehalt, jedoch ist dieser insbesondere in Außenbereichen etwas weniger deutlich wahrnehmbar.

Die Herangehensweise an die Entwicklung von Bodenindikatoren mit einem hohen akustischen Kontrast ist sehr unterschiedlich, wie die folgenden Beispiele zeigen.

Hohlkörper-Bodenindikatoren („Hobis“)

Die „Hobis“ werden hohl aus Polymer-Betont gegossen und sollen nach Herstellerangaben beim Überstreichen mit dem Blindenlangstock eine hörbare Frequenz von 550 Hz erzeugen. Dies gestattet eine gute akustische Auffälligkeit im üblichen Straßenverkehr.

Hohl gelagerte Tränenbleche

Bei diesen handelt es sich um hohl gelagerte Edelstahlbleche mit tränenförmigen Noppenprofilen. Sie weisen neben einer taktilen Wahrnehmung auch eine gute akustische Erkennbarkeit beim Überstreichen mit dem Blindenlangstock auf. Diese Bodenindikatoren werden vornehmlich in den Berliner S- und U-Bahnstationen verbaut.

Holländische „Klangtegels“

Bei den „Klangtegels“ handelt es sich um Bodenindikatoren, bei denen Noppenprofile in Tränenblech-Platten eingepresst sind. Mit einem Spezialkleber werden diese auf normale Gehwegplatten aufgebracht. Beim Überstreichen mit dem Blindenlangstock ergibt sich ein extrem auffallendes Klangbild.

Anbieter von Bodenindikatoren

Die nachstehende Auflistung der Anbieter von Bodenindikatoren steht stellvertretend für viele andere und erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Reihenfolge der aufgelisteten Anbieter erfolgt alphabetisch und lässt somit keine Rückschlüsse auf die Qualität ihrer Produktangebote und Serviceleistungen zu.

Zusammenfassung:
Visuell und taktil gestaltete Bodenindikatoren sind im Sinne einer sicheren Orientierung für blinde und sehbehinderte Menschen unentbehrlich. Dabei müssen die Noppen- und Rippenstrukturen zur Wiedererkennbarkeit eine standardisierte Gestaltung erhalten.

Damit sichergestellt wird, dass blinde und sehbehinderte Menschen die richtige Information erhalten, bedarf es bei ihrer Verlegung sachkundiger Kenntnisse. Infolge falscher Anordnungen können die Nutzer unbeabsichtigt in gefährliche Situationen mit schwerwiegenden Folgen geraten.

Veröffentlicht am: 23.04.2020

Weiterführende Links: 

© Mobilfuchs 23.04.2020



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